Magie - warum, wieso?

“Magie” ist ein Begriff, unter dem man alles und nichts verstehen kann. Der Zauberkünstler auf der Bühne, der Kaninchen und Tauben aus dem Ärmel zauberte, war lediglich ein Trickser. Dass er mit seinen Tricks aber viele Menschen “bezauberte”, zeigt, dass er dennoch eine Art Magier war.

 

Angeblich gibt es schwarze und weiße Magie. Während letztere als eine Macht angesehen wird, Gutes zu bewirken, versteht man unter schwarzer Magie meist die Fähigkeit bestimmter Menschen - Zauberer, Hexen -, destruktiv und unheilvoll zu wirken. In Marokko ist der Glaube an Magie, an Zauberei, lebendig (siehe Geschichte unten, vom Dschinn).

 

Manche Orte und Landschaften werden gern als “magisch” bezeichnet, auch von Leuten, die ansonsten nicht an Magie glauben. Man will damit ausdrücken, dass diese Orte einen bestimmten Reiz ausüben. Wörter wie “zauberhaft” und “wunderbar” zeigen, dass die Sprache noch die Erinnerung an Magie-Glauben früherer Zeiten bewahrt hat, auch wenn Menschen sie gebrauchen, die sich selbst als rational bezeichnen.

 

Zu den Orten, denen man eine gewisse Magie zuschreibt, gehört ohne Zweifel Essaouira. Schon der erste Blick auf die Stadt, wenn man von Marrakesch aus herunterfährt, löst Begeisterung aus (auch so ein magisches Wort: Be-geist-erung…). Da liegt sie, die weiße Stadt, fast ins Meer hineingebaut, von Wellen umspült, vom Wind umtost. Möwen kreisen und kreischen, der Geruch nach Fisch liegt in der Luft, blau leuchten die Läden und Türen im weißen Mauerwerk.

 

Viel ist schon geschrieben worden über Essaouira, das früher auch einmal Mogador hieß; wer will, findet eine Menge Lektüre über diese besondere kleine Stadt mit der großen Geschichte.

 

Mein Hang zur Magie wurde sicherlich durch das Leben in Essaouira beflügelt, doch bestand er schon vorher. Wahrscheinlich mitbedingt durch die Corona-Pandemie, die einen in vielem auf sich selbst zurückwirft, habe ich vor einiger Zeit wieder begonnen, mich mit Dichtung, Poesie, zu beschäftigen. Poesie selbst ist irgendwie magisch. Wer sich in Gedichte vertieft oder selbst dichtet, schaltet für eine Weile ab vom Alltag und versinkt in eine andere Welt, in der die Seele angesprochen wird. Poesie ist Nahrung für die Seele.

 

 


In Marokko ist der Glaube an Djinns lebendig

“Ein Djinn oder Dschinn ist in der islamischen Vorstellung ein übersinnliches Wesen, das aus rauchlosem Feuer erschaffen ist, über Verstand verfügt und neben den Menschen, Satanen und den Engeln mit anderen Dschinn die Welt als Geistwesen bevölkert. Nur in Ausnahmesituationen werden Dschinn den Menschen sichtbar.” Wikipedia

 

Wenn ich in Deutschland erzählte, jemand sei von einem Djinn besessen gewesen, würde man mich vermutlich auslachen, zumindest würde man mir einen schrägen Blick zuwerfen oder heimlich über mich kichern.

 In Marokko ist es normal, über Djinns zu sprechen. Gerade vor wenigen Tagen, Ende Januar 2021, hat mir mein Nachbar Samir* Folgendes berichtet:

 Einer seiner Nachbarn, Brahim*, habe in den vergangenen Monaten ungefähr 40 000 Dirham (rund 4000 Euro) an Krankenhauskosten ausgegeben (seine gesamten Ersparnisse), weil seine Frau an einer rätselhaften Krankheit gelitten habe. Sie habe sich fast nicht mehr bewegen, sich nicht mehr selbst versorgen können, habe aus dem Leib eine sonderbar übelriechende Flüssigkeit abgesondert. Im Krankenhaus habe man sie allen möglichen Behandlungen unterzogen, ohne Erfolg. Bis Brahims Familie auf die Idee kam, einen Mann aufzusuchen, der sich auf Magie und Exorzismus versteht. Dieser stellte fest, so Samir, dass Brahims Frau ganz offensichtlich von einer übel wollenden Person verhext worden und von einem Djinn besessen sei. Der Heilkundige führte ein Exorzismus-Ritual aus, und seither gehe es Brahims Frau besser. Ganz in Ordnung sei sie noch nicht, aber ihr Zustand bessere sich langsam, so Samir.

 

*Samir und Brahim heißen nicht wirklich so