Kleine Sphinx auf vier Pfoten

Le chat savant
Die gelehrte Katze - Le chat savant

Charles Baudelaire: Les chats

Les amoureux fervents et les savants austères

aiment également, dans leur mûre saison,

les chats puissants et doux, orgueil de la maison,

qui comme eux sont frileux et comme eux sédentaires.

 

Amis de la science et de la volupté,

ils cherchent le silence et l’horreur des ténèbres;

l’Erèbe les eût pris pour ses coursiers funèbres,

s’ils pouvaient au servage incliner leur fierté.

 

Ils prennent en songeant les nobles attitudes

des grands sphinx allongés au fond des solitudes,

qui semblent s’endormir dans un rêve sans fin.

 

Leurs reins féconds sont pleins d'étincelles magiques,

et des parcelles d’or, ainsi d’un sable fin,

étoilent vaguement leurs prunelles mystiques.

 

 

Charles Baudelaire: Die Katzen

Die glühenden Liebenden und die strengen Gelehrten

lieben gleichermaßen, in ihrer reifen Jahreszeit,

die Katzen, mächtig und sanft, der Stolz des Hauses,

die wie sie fröstelnd und wie sie sesshaft sind.

 

Freunde der Wissenschaft und der Wollust,

suchen sie die Ruhe und das Grauen der Finsternis;

Erebus hätte sie als seine düsteren Boten genommen,

wenn sie zum Dienen ihren Stolz bezwingen könnten.

 

Dämmernd nehmen sie die vornehmen Haltungen

der großen Sphingen an, die, ruhend auf dem Grund der Einsamkeiten,

zu schlafen scheinen in endlosem Traum.

 

Ihre fruchtbaren Lenden sind voll der magischen Funken,

und winzige Teilchen, wie feiner Sand,

besternen vage ihre mystischen Augäpfel.

Die Katzen der Mellah von Mogador

Erinnerungen ans ehemalige jüdische Viertel

Mohammed kümmerte sich täglich um die herrenlosen Katzen der Mellah
Mohammed kümmerte sich täglich um die herrenlosen Katzen der Mellah

Sie leben zwischen Abfall und Ruinen, und doch, sie sind nicht vergessen. Jeden Tag kümmern sich Menschen um sie, Menschen, denen es auch nicht viel besser geht. Sie bringen den Mellah-Katzen Fisch-Abfälle, Innereien, Sardinen… Die Katzen der Mellah (des einstigen jüdischen Viertels von Mogador-Essaouira) kennen zwar keinen Baum zum Hochklettern, kein Gras und keine Blumen, sie kennen kein bequemes Sofa und werden weder entwurmt noch entfloht oder gar kastriert (dazu hat niemand hier das Geld), doch zumindest wissen sie: Jeden Tag denkt eine mitleidige Menschenseele an sie und bringt ihnen etwas zum Essen, zum Überleben. Wenn auch ihre Lebensspanne kürzer ist als die verwöhnter europäischer Hauskatzen, oder gerade deswegen sind sie Überlebenskünstler, oder so etwas wie Philosophen auf vier Pfoten.