Sappho

Ce qui reste

Oh, Sappho auf Lesbos, kein Internet noch

kanntest du, kein E-Mail und auch kein Facebook,

und doch haben Worte aus deiner Feder

überlebt bis heut‘.

Wenn der Vollmond im Osten aufgeht und die Hunde unter dem Sirius heulen

Die griechische Dichterin Sappho
Die griechische Dichterin Sappho

27. 1. 21

 

Hoch am Osthimmel über den Atlas-Bergen steht heute Abend der Vollmond. Menschen spazieren darunter hin, doch niemand sieht ihn. Später, wenn der Sirius, der Hundsstern, am Südost-Horizont aufgegangen sein wird, werden die Hunde unter den Arganbäumen heulen, und der Esel mit dem gebrochenen Vorderfuß wird einen lauten Klageruf ausstoßen. Achmed, das Wildschwein, wird irgendwann vom Dorf her aufkreuzen und nach links abbiegen, Richtung Mülltonne.

 

Es ist der Abend eines Sommertages im Januar, nahe der Atlantikküste, in Marokko, Essaouira, mit altem Namen Mogador.

 

Warm war es heute, heiß fast, doch die meisten Menschen hüllen sich gut ein. Man weiß ja nie, alles kann gleich wieder anders werden, das Wetter, die Weltlage, vielleicht wird sich sogar das Virus bald einmal zurückziehen, das jetzt schon so lange das Alltagsleben dominiert.

 

Wie hätte sich Sappho verhalten, hätte sie eine solche Pandemie erleben müssen? Möglicherweise hätte sich sich an den Gott gewandt, dem wir den Namen zu verdanken haben: Pan. Vielleicht hätte sie ihm eine Hymne gewidmet, eine Ode in sapphischer Strophe, vielleicht hätte der Gott eingelenkt, angesichts einer solche Gabe. Vielleicht wäre er angesichts der vielen Opfer, die er in den vergangenen elf Monaten nun schon verlangt und bekommen hatte, ohnehin besänftigt und müde geworden, vielleicht.

 

Was wir wissen, ist nur, dass alles ungewiss ist.