Die Kinder der Mellah

In der Mellah von Mogador werden sie

geboren. Sie wachsen auf zwischen Müll und

Ruinen. Der raue Nordwind singt ihnen

täglich ihr Schicksal.

 

Sie spielen in Staub und Abfall, Katzen und

Hunde leisten ihnen Gesellschaft, Möwen

kreisen kreischend über den Trümmer-Resten

nahe der Mauer.

 

Männer lärmen in der nahen Taverne.

Sie pinkeln an die Mauer im düsteren

Durchgang und spucken in weitem Bogen auf

das feuchte Pflaster.

 

Frauen in bunten Djellabahs, den Kopf in

Tücher eng gewickelt, Kinder an jeder

Hand, das jüngste auf dem Rücken,

schlurfen müd‘ einher.

 

Aus den Mauern strömen Erinnerungen,

Seufzer und Klagen, Hoffnung auf bessere

Zeiten, und dumpfes Ahnen, dass nie jemals

Das Glück zu dir kommt.

 

Die davor sind gegangen, nach Israel,

ins gelobte Land, wissen nicht mehr, wo die

Wurzeln , ihr Ursprung, woher sie gekommen -

wir sind verloren…

 

Dennoch, da ist etwas, da bleibt etwas, es

ist immer da, treibt uns von innen her an,

verlässt uns nie. Wir sind so weit gereist schon,

Wir geben nie auf.

 

 

Bilder aus der Mellah von 2015