Die rauen Lieder von Mogador

Die, die hier geboren sind, zieht es immer wieder zurück an den Ort, wo ihre vom Wind umtoste Wiege stand. Vermutlich singt und braust ihnen der „Vent des Alizés“, der Passatwind, ewig in den Ohren. Vielleicht werden sie die schrillen Möwenschreie nie wieder los, das Brüllen und Toben des Atlantiks, diese rauen Lieder von Mogador, die nach See und Sardinen riechenden Erinnerungen,

 

 

sie blieben unter der Haut stecken. Ich bin nicht hier geboren, aber ich lebe schon so lange in Essaouira, dessen Name auch Mogador war, dass auch mich die herbe Poesie dieses Ortes verführt hat. Auch wenn die Moderne und der Kommerz vieles überdecken, so sind doch für die, die offene Herzen und Sinne haben, die alten Lieder von Mogador noch nicht verstummt.



"Mogador" kommt vermutlich von "Migdal"

„Les gens de Mogador“ heißt der berühmte Roman von Elisabeth Barbier, deutscher Titel „Julia von Mogador“. Nein, das Mogador des Romans hat nichts mit dem marokkanischen Mogador zu tun, soweit man weiß. Die Herkunft des Namens ist nicht genau geklärt; vielleicht, so vermutet zum Beispiel Omar Lakhdar, ein gebürtiger Mogadori und Autor mehrerer Bücher, rührt er vom hebräischen „Migdal“ her, was so viel wie Erhebung oder Festung bedeute. Möglich, denn zu den frühesten Bewohnern gehörten die Juden, die schon vor mehr als 2000 Jahren aus Israel ins heutige Marokko kamen.

 

Mogador ist in der Tat eine jüdische Stadt gewesen. Lange Zeit, bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, waren die Juden hier in der Mehrzahl und haben das Leben stark geprägt. Fast vierzig Synagogen zählte Mogador; nur eine ist über all die Jahre geblieben, Haim Pinto. Doch inzwischen sind zwei weitere einst bedeutende jüdische Gotteshäuser restauriert worden und für die Öffentlichkeit zugänglich, Slat Lkahal am Eingang der Mellah, und Attia in der Medina.

 

Heute leben kaum noch Juden hier; fast alle sind bis Ende der 70er Jahre ausgewandert, nach Israel, Frankreich, die USA, Kanada. Doch zieht es viele von ihnen immer wieder hierher, auf der Suche nach der Kindheit, der Vergangenheit, den Liedern von Mogador…