Kann sein, dass da Eine kommt, die den bösen Blick hat

Mogador-Magie, warum das? Da ist zunächst der Name Mogador, die alte Bezeichnung für Essaouira, diese windige kleine Stadt am Atlantik, die mit Agadir und Marrakesch, zwei ebenfalls magischen Städten,  ein Dreieck bildet, ein uraltes magisches Symbol. In „Mogador“ selbst steckt schon ein halber „Magier“ – ich liebe Anagramme. Woher der Name „Mogador“ stammt – niemand weiß es genau. Heimatforscher und Buchautor Omar Lakhdar, ein gebürtiger „Souiri“ (aus Essaouira), meint, er käme eventuell vom althebräischen Migdal, was soviel wie Erhebung oder Turm bedeute. Kann sein, die ersten Juden kamen schon vor mehr als 2000 Jahren.

   Im elften Jahrhundert hieß der kleine Fleck Amagdoul, die Portugiesen, die Anfang des 16. Jahrhunderts eine Festung auf einer der kleinen Inseln bauten, nannten ihn Mogadouro. „Julia von Mogador“, die Heldin des Romans von Elisabeth Barbier, hat offenbar nichts mit unserem Mogador zu tun, doch wer weiß das so genau?

    Mogador – seit mehr als sechs Jahren lebe ich nun hier, vom Winde verweht. Der Wind ist oft so stark, dass er dir die Gedanken fort bläst, bevor du sie ausgedacht hast. Den Möwen sträuben sich die Gefieder, die Katzen wenden ihm in stoischer Ruhe den Rücken zu, die Einheimischen verhüllen sich in der vergeblichen Hoffnung, dass der Wind sie nicht findet. Der Wind kommt fast immer von Norden, er ist kalt und schneidend und riecht nach Europa, nach Einsamkeit, nach einer kalten Ferne, die doch so nah ist. Während ich dies schreibe, im August, ist es heiß, mehr als 30 Grad, doch der Wind lindert die Hitze und trocknet den Schweiß.

 

 

Und ein uralter Wunschbaum

Das Wort „Magie“ ist vieldeutig; im Allgemeinen bringen wir es mit Zauberei, Hexerei, Schamanismus und dergleichen in Verbindung. Auch von daher ist Mogador magisch: In den verwinkelten Gassen, hinter dicken Mauern, an Orten, die für den Wind und gewöhnliche Menschen nicht erreichbar sind,  treffen sich die Mitglieder magischer Bruderschaften, Gnaoua-Musiker-Priester-Heilerinnen. Überall findest du die „Khamsa“, auch „Fatimas Hand“ genannt, ein uraltes Schutzamulett gegen den bösen Blick.

    Oh ja, den gibt es! Manchmal begegnet dir in einer der schmalen Straßen eine Frau, deren mit Khol schwarz umrandete Augen dich so durchdringend und wissend mustern, dass du schnell beiseite blickst, um sie nicht zu provozieren. Und heute noch hängen die Berberfrauen heimlich Wunschzettel – für gute und nicht so gute Wünsche – in die Zweige uralter Argan-Bäume.