Der "Rote" weiß alles, was

er wissen muss - wir nicht

Schauen Sie sich diesen Kater genau an. Sieht er nicht aus, als wüsste er alles? Als sei ihm nichts unter der Sonne fremd? Er bleibt ruhig liegen, wenn ihn ein fremder Mensch fotografiert, als wüsste er, dass dieser Mensch in ihm mehr sieht als eine von Millionen Katzen, die die Erde bevölkern.

Dieser marokkanische Kater, er hat keinen Namen, könnte aber "Roter" heißen oder "Rouquin", er weiß alles, doch er weiß nicht, dass er es weiß.

Das ist der Unterschied zu uns Menschen: Wir glauben, vieles zu wissen (manche glauben auch, sie wüssten alles), doch wir wissen in Wirklichkeit nicht viel. Bei uns ist es umgekehrt wie bei dem Roten: Er weiß alles, er ist nicht abgespalten von diesem universalen Wissen, er ist eins mit sich und rund wie die Erdkugel. Nur, das Wissen in ihm ist ihm nicht bewusst. Das heißt, er kann nicht mit anderen Katern in geheimen oder öffentlichen Kater-Zirkeln intellektuell debattieren und philosophieren. Dazu hat er auch überhaupt keine Lust. Er braucht es nicht, als Katze. (Noch nicht, vielleicht...)

Wir aber, verflixt nochmal, wir kommen irgendwann an einen Punkt, wo wir uns ständig herum plagen müssen mit dem, was wir wissen, zu wissen glauben, nicht wissen und gern wissen möchten.  Bekanntlicher Weise hat dies begonnen, als wir aus dem Paradies vertrieben wurden. Der Kater ist noch zum Teil drin, aber auch schon zum Teil draußen, es ist nicht zu ändern. Denn sobald ein Wesen  mit dem Menschlichen in Berührung kommt, verliert es einen Teil seiner Unschuld.

 

Was verbirgt sich hinter diesen Masken?

Die afrikanischen Masken, die man überall in den kleinen Straßen der Medina von Essaouira sieht, wirken so geheimnisvoll, als verberge sich hinter ihren undurchdringlichen Zügen ein okkultes Wissen, dass uns Sterblichen fehlt. Auch wenn sie nur als Souvenirs für Touristen gedacht sind, so folgen ihre Hersteller, Handwerker aus verschiedenen Ländern wie Mali oder Senegal, uralten, überlieferten Mustern. Diese wurden vermutlich einst von Schamanen für kultische Zwecke entwickelt. Und so scheint es, als blickten aus den halb geschlossenen Lidern wissende Augen, die gelassen und mit ironischen Blicken das Treiben um sich her verfolgen...

Wissen und Fühlen im Gleichgewicht

"Wissenschaft" heißt diese Karte, die 6 der Schwerter, aus den Kleinen Arkana. Der Satz der Schwerter, vom As bis zu Schwert 10, haben mit dem Intellekt, dem Denken zu tun. "Wissenschaft" ist eine der wenigen günstigen Schwerter-Karten; hier sind Geist und Natur im Gleichgewicht - die "Sechs" ist immer eine Zahl des Ausgleichs - , weder will der Verstand die Gefühle und Instinkte bevormunden, noch wird er von jenen überschwemmt. Die Karte steht also für objektives Erkennen, für eine umfassende, ganzheitliche Sichtweise. 

Vielleicht, so könnte man es sehen, ist diese Karte ein Sinnbild für den Tarot insgesamt, denn dieser ermöglicht es uns, Unbewusstes bewusst, Unfassbares fassbar zu machen. Wenn uns das gelingt, dann haben wir einen großen Schritt auf dem Weg zu uns selbst - und zum Gesamten - gemacht.