Régine und die Liebe zu Mogador

Régine Knafo im Hafen von Essaouira
Régine Knafo im Hafen von Essaouira

Régine Knafo stammt aus einer bekannten jüdischen Familie in Mogador. Ihr Urgroßvater Yossef Knafo, ihr Großvater David und ihr Vater Salomon waren Rabbiner der Synagoge Slat Lkahal in der  Mellah der Medina. Diese öffentliche Synagoge wurde von 2011 bis 2017 von Haim Bitton restauriert. Régine Knafo lebt in Paris, seit sie eine junge Frau war, kehrt aber regelmäßig in ihre Geburtsstadt Essaouira, früher Mogador, zurück.

 

Erinnerungen an eine goldene Kindheit

Régine Knafo mit Haim Bitton anlässlich der Vorstellung ihres Buches im Dar Souiri.
Régine Knafo mit Haim Bitton anlässlich der Vorstellung ihres Buches im Dar Souiri.

“Seit einigen Jahren ist Essaouira Gegenstand meiner Sorgen und meiner Kümmernisse, einer gewissen Sehnsucht auch. Ich bin hier geboren und kehre oft hierher zurück. Jede Straße, jeder Platz, jedes Haus erinneren mich an meine goldene Kindheit, meine Jugend, die für immer entschwunden sind.” Das sind einige Sätze, die Régine Knafo in ihrem Buch “Enfance à Mogador” - “Kindheit in Mogador” - geschrieben hat.

 

In der Tat, wer mit ihr durch die Straßen und Gassen der Medina wandert, erfährt eine Menge über die verschiedenen Orte. Da, das alte Haus ihrer Tante, und dort haben die Knafos während der Jahre des Zweiten Weltkriegs gelebt; und da, wo sich damals die Buchhandlung ihres Vaters befand, ist heute das Fotogeschäft Kodak. Und ja, die Mädchenschule, die sie die ersten Jahre ihrer Schulzeit besucht hat, sie besteht noch…

 

Ihr Buch, das 2016 erschienen ist, ist eine wahre Schatztruhe an Erinnerungen, Geschichten, Anekdoten. Es enthält auch viele Fotos, hauptsächlich von ihrer zahlreichen Familie. Sie waren 13 Kinder, von denen zwei verstorben sind, darunter ihre kleine Schwester Ruth, die als 20-jährige bei einem Autounfall ums Leben kam.

 


Als Orson Welles für den Teufel gehalten wurde

 

Eine sehr amüsante Episode aus ihrem Buch handelt von dem Schauspieler und Regisseur Orson Welles. Dieser hatte Anfang der 1950er Jahre den Film “Othello” teilweise in Essaouira gedreht. Ich zitiere einige Auszüge aus dem Kapitel: “Orson Welles, Mogador und ich”:

 

“Nahe bei unserem Haus in der rue d’Espagne, heute rue de Marrakech, befand sich das öffentliche Bad Sultane, das ein Freund von Papa, Herr Bertrand Lévy, ins Leben gerufen hatte.

 

Orson Welles hatte die Gewohnheit, jeden Abend, wenn er von den Dreharbeiten bei der Scala zurückkam, dort ein Bad zu nehmen.

 

Nur drei Familien wohnten in dieser Straße. (...).

 

Jeden Tag, wenn ich von der Schule kam, nahm ich mir vor, ein Autogramm von Welles für meine Klassenkameradinnen zu bekommen. Abend für Abend versprach ich mir selbst, mich ihm zu nähern und um ein Autogramm zu bitten. Mit meiner kleinen Schultasche in der Hand, sah ich ihn kommen - die Straße ist nicht sehr groß -, aber im letzten Moment wechselte ich die Straßenseite, wenn wir uns kreuzten.

 

Er war sehr groß, imposant, mit Kulleraugen, er schüchterte das kleine Mädchen, das ich damals war, ein. Ich konnte mit ihm daher nie ein einziges Wort wechseln, ich war wie versteinert.

 

Indessen, eines Abends, als ich meine Aufgaben machte - das Fenster meines Zimmers war weit geöffnet - höre ich gellende Schreie. Allem Anschein nach kamen sie aus der Badeanstalt, wo etwas passiert war. Schnell lief ich die Treppe hinunter und sah die Frau, die die Böden im Bad putzte, aus der Tür rennen.

 

Sie hatte die Zeigefinger in die Ohren gesteckt und schrie: “Ouak ouak ! A l’ba Del Lah ! A l’ba Del Lah ! El gheul hada ! El gheul hada ! Mein Gott, mein Gott! Wie schrecklich! Das ist der Teufel, der Teufel!”

 

In der Tat war Orson Welles aus seiner Kabine gekommen, um zu melden, dass das Wasser abgestellt war.

 

Ich sehe noch sein schwarz gefärbtes Gesicht, während der Körper weiß geblieben war. Er schrie auf Englisch, das niemand verstand, was ihn noch wütender machte. Die Putzfrau schrie ebenfalls in Panik und flüchtete.

 

Sie hatte Orson Welles tatsächlich für den Teufel gehalten!”