Che Guevara - was macht der kubanische Held in Flateurville?
Che Guevara - was macht der kubanische Held in Flateurville?

Flateurville - eine echte

Mogadorität

In Essaouira, dessen alter Name „Mogador“ lautet, begegnet man auf Schritt und Tritt seltsamen und merkwürdigen Dingen, sozusagen „Mogadoritäten“. So habe ich im ehemaligen Industrieviertel im Norden der Stadt ein halb wirkliches, halb fiktives Dorf entdeckt: Flateurville. Wie ich erfuhr, handele es sich um eine Art Ableger einer Zentrale namens Flateurville in Paris, doch mit sehr spezifischer Marokko-Färbung. Gleich links, bevor man in einen kleinen Raum gelangt, der vielleicht so etwas wie eine Rezeption ist, prangt an der Wand das Bildnis eines Mannes mit rotem Bart und rotem Haar. Nein, es ist nicht Barbarossa, auch nicht Fidel Castro oder Che Guevara, aber letzteren entdecke ich gleich dahinter, im Empfangsraum, über dem Buffet, auf einer großformatigen vergilbten gerahmten Fotografie. Die Präsenz dieses legendären lateinamerikanischen Revolutionärs hier, in einer marokkanischen Mittelstadt am Atlantik, ist eine echte „Mogadorität“.
Mohamed Jotia, offenbar so etwas wie ein Verwalter oder Ortsvorsteher, außerdem selbst Künstler, Kalligraph und „écrivain public“, öffentlicher Schreiber, weist uns den Weg. Vorbei geht es an einer Art Mini-Reihenhäusern, nicht größer als Garagen, deren Tore und Eingangsbereiche jedoch phantasievoll farbig gestrichen und dekoriert sind. Wir gelangen in einen Garten, der wiederum außergewöhnlich ist: Er ist eine malerische Kombination aus Pflanzen, Steinen und Strandgut. „Ein Versuch, Weggeworfenes, Müll aus dem Meer mit der Natur zu verbinden“, sagt Mohamed. 
Hier gibt es sogar ein kleines Haus, dessen Terrasse man mieten kann. Um eventuell ein halb reales, halb fiktives Café zu eröffnen? Um einen Pfefferminztee oder ein Glas Wein zu bestellen, die sich, bevor du sie trinken kannst, schon verflüchtigt haben? Alles möglich in Flateurville…