Eine kostbare Nuss und         harte Knochenarbeit


Einige Kilometer südlich von Essaouira, an der Straße nach Agadir, finden wir die Frauen-Kooperative Tawounte, wo die Berberfauen der Region Arganöl und andere Produkte aus dieser kostbaren und seltenen  Nuss herstellen.  Die Arganbäume wachsen weltweit nur in dieser Landschaft zwischen  Agadir und Essouira. 

Die Kooperative  Tawounte  ist eine der wenigen echten Kooperativen, wo die Frauen nicht  mehr oder weniger ausgebeutet werden, sondern ihren Anteil am Gesamt-Gewinn erhalten. 

Naoual Boubella ist die Geschäftsführerin der Kooperative. Insgesamt arbeiten hier 14 Frauen; einige von ihnen machen diese Knochenarbeit zu Hause aus, denn sie haben kleine Kinder zu betreuen.

 


Geheimnis der Berberfrau

Habiba Ajaoui und  Frédérique Thevenet  geben in ihrem Buch  "La découverte des épices du Maroc" (deutsch: "Die Entdeckung der Gewürze Marokkos") einen Eindruck vom Arganbaum und seinen Früchten. "Der Arganbaum, lat.: argania spinoza, ist ein dorniger Baum, der nur in der Region von Essaouira und Agadir gedeiht. Der Baum und seine Vorzüge sind seit Jahrhunderten der einheimischen Bevölkerung bekannt. Die Bearbeitung seiner Früchte verlangt ein äußerst komplexes Wissen, dessen Geheimnisse die Berberfrau eifersüchtig hütet. Es wäre zu aufwändig,  es hier im Detail  darzulegen.  Wir werden uns daher auf das Wesentliche beschränken.  

Zunächst einmal müssen die trockenen Früchte gesammelt werden. Man  entnimmt ihnen eine Art Schote (tafyyoucht), in denen sich die extrem harten Nüsse (aqqayen) befinden.  Anschließend werden sie zerkleinert, um schließlich die ölhaltigen Kerne zu gewinnen (tiznin)."

Habiba, die Pionierin der Medina

Habiba Ajaoui  mit ihrem Buch "La découverte des épices du Maroc", dessen Co-Autorin sie ist.
Habiba Ajaoui mit ihrem Buch "La découverte des épices du Maroc", dessen Co-Autorin sie ist.

Sie ist eine Art Pionierin: Habiba Ajaoui war die erste Frau, die in der Medina von Essaouira einen Laden eröffnete. Das war  1997, es war ein ganz kleiner Laden, und  "es war ganz schön hart wegen der Männer". Diese waren eifersüchtig, weil Habiba schnell viele Stammkunden hatte, die ihre liebenswürdige und kompetente Art zu schätzen wussten.  Heute hat die Mutter zweier Töchter eine größere Boutique nahe beim Platz "Chrab Atay". 

Habiba, die aus Agadir stammt, studierte zunächst Chemie in Agadir. Nach dem Magister-Abschluss heiratete sie einen "Souiri", einen  Mann aus Essaouira, und folgte ihm in seine Heimatstadt. Obwohl sie nicht in ihrem Studienfach arbeitet, ist sie diesem dennoch ein bisschen treu geblieben. In ihrer Boutique verkauft sie Gewürze und Ingredienzen aller Art, auch Argan- und andere Öle, sowohl für die kulinarischen als auch kosmetischen Gebrauch. Außerdem kann man sich bei ihr auch eine Henna-Tätowierung machen lassen.


Gewürzkunde, auch eine Art Alchimie



Habiba hat gemeinsam mit ihrer Freundin Frédérique Thevenet das Buch  "La découverte des épices du Maroc" (Die Entdeckung der Gewürze Marokkos) verfasst. Das reich illustrierte Buch ist sehr ansprechend und informativ für alle (frankophonen) Leser, die sich für die Vielfalt der Gewürze und ihrer Wirkungsweise interessieren. Das Buch liefert nicht nur ausführliche Informationen über Gewürze, sondern auch zahlreiche marokkanische und europäische Rezepte zum Nachkochen. 

Habiba Ajaoui/Frédérique Thevenet, La découverte des épices du Maroc, ISBN: 978-9954-32-797-5.

habiba-ajaoui@hotmail.com; frederique-thevenet@gmail.com